Kevin Kuske startet bei der Heim-WM

MAZ – Kevin Kuske ist ein Dauerbrenner. Der 38 Jahre alte Bobsportler vom SC Potsdam erlebt in dieser Woche nach 2004 und 2011 zum dritten Mal die Weltmeisterschaften in Königssee. Dabei hat er schon viele Piloten mit angeschoben.

Der Name ist Programm. Kevin Kuske residiert in diesen Tagen bei den Bob-Weltmeisterschaften in Königssee mit der deutschen Nationalmannschaft im Hotel „Bergheimat“. „Das ist unser Stammquartier“, sagt der Potsdamer, für den die älteste Kunsteisbahn der Welt zur zweiten Heimat in den bayrischen Bergen geworden ist. Am Königssee hat der 38 Jahre alte Ex-Sprinter nicht nur ungezählte Trainingsfahrten und Weltcup-Rennen erlebt, sondern mittlerweile seine dritte Weltmeisterschaft. Dabei hatte der Stammgast keinen Stammplatz, denn jedes Mal sauste er mit einem anderen Piloten die Bahn hinunter.

Im Vierer von Pilot Nico Walther

2004 bei seiner ersten WM in Königssee holte er Gold im Vierer und Bronze im Zweier hinter Pilot André Lange (Oberhof). Mit „Bärchen“, wie Kuske den Thüringer noch immer nennt, feierte er seine größten Erfolge, allein vier Olympiasiege. 2011 gewann Kuske mit Thomas Florschütz (Riesa) WM-Silber im Zweier und wurde Siebter im Vierer. Der „SC Potsdam-Bob“ mit Pilot Manuel Machata sowie den Anschiebern Christian Poser, Andreas Bredau und Richard Adrej holte Gold. Und 2017? Diesmal gehört Kuske zur Vierercrew von Pilot Nico Walther (Oberbärenburg), die von Kevin Korona und Eric Franke komplettiert wird.

Auf Position zwei

Die beiden Kevins teilen sich im Hotel ein Zimmer, sitzen im Bob auf den Positionen zwei und drei unmittelbar hintereinander. „Wenn Kevin seine Beine nicht richtig in den Bob schiebt, kann es schon mal passieren, dass er mir mit seinen Spikes die Waden blutig rasiert. Halb so schlimm“, sagt der zehn Jahre ältere Kuske, der in früheren Zeiten meist auf Position drei den großen Boliden in Fahrt brachte. Nach zwei weniger erfolgreichen Jahren bei Maximilian Arndt (Oberhof) war Kuske erst nach der vergangenen Saison ins Team Walther gewechselt und hofft nach fünf Jahren Pause wieder auf eine WM-Medaille. Mit Platz zwei beim Weltcup vor ein paar Wochen an gleicher Stelle war die Generalprobe geglückt. Aus Aberglaube nimmt Kuske das Wort Medaille vorab aber nicht mehr in den Mund. Dafür hat der Sportsoldat in den letzten Jahren zu viele Enttäuschungen hinnehmen müssen. Aber seine Lust und sein Ehrgeiz seien ungebrochen.


Kevin Kuske will mit Nico Walther wieder jubeln. Foto: dpa

Die Bahn kennt Kuske im Schlaf

Die im Zuge der WM 2011 umgebaute Bahn, die 1969 errichtet wurde, kennt Kuske im Schlaf und bestätigt: „Mich könnte man nachts wecken und ich würde die Kurvenfolge beherrschen. Früher haben uns das die Trainer immer abverlangt, so habe ich Bobsport gelernt“, sagt der Potsdamer, der 1999 von der Leichtathletik- auf die Wintersportpiste wechselte. Weil Kuske, der sich nach dem Start und dem perfekten Einsortieren im Bob hinter dem Piloten abduckt, auch ohne Sichtkontakt immer weiß, wo sich das Kufengefährt gerade befindet, macht er auch Rhythmus, wie er sagt, fährt also instinktiv mit. Natürlich spürt er sofort, wenn es einen Fahrfehler gibt.

Anders als früher kann der siebenmalige Weltmeister zwischen den Läufen – am Samstag und Sonntag werden jeweils zwei ausgetragen – gut schlafen. Und wie schon 2004 reisen auch Familie und Freunde aus Potsdam zur Heim-WM an. Von Peter Stein