Lisa Marie Buckwitz holt Sensations-GOLD im Zweierbob

Was für eine Sensation im Zweierbob der Frauen bei den Olympischen Winterspielen in PyeongChang: Die Potsdamerin Lisa Marie Buckwitz holte mit ihrer Pilotin Mariama Jamanka, die ihre Bob-Karriere als Anschieberin ebenso beim SC Potsdam begann, bei ihrem Olympiadebüt die Goldmedaille vor den Top-Favoritinnen aus Nordamerika.

Nach zwei hervorragenden ersten Läufen am Dienstag ging das Bobteam Jamanka am Mittwochmittag deutscher Zeit als Führende in die Läufe drei und vier. Die beiden zeigten Nervenstärke und brachten auch diese beiden Läufe fehlerlos nach unten. Dabei lagen sie im vierten Lauf aufgrund ihrer schwächeren Startzeit lange auf Platz zwei, erst auf den letzten Metern erreichten sie noch die Bestzeit vor dem us-amerikanischen Bob von Elana Meyer Taylor. Sieben Hundertstelsekunden reichten im Ziel für Gold.

Bronze ging an die zweimalige Olympiasiegerin Kaillie Humphries aus Kanada. Stephanie Schneider und Annika Drazek, die in Pyeongchang als eigentliches deutsches Nummer-eins-Paar vorgesehen waren, verbesserten sich im Finallauf noch von Platz fünf auf vier. Am Ende fehlten den beiden nur acht Hundertstelsekunden auf Bronze.

Jörg Weber konnte es kaum glauben. Beim Public Viewing mit den Mitarbeitern im Olympiastützpunkt Potsdam drehte er nach eigener Aussage durch. „Jetzt bin ich überglücklich“, sagt der Heimtrainer von Lisa Marie Buckwitz. „Ich hatte mit Bronze geliebäugelt, aber mit Gold auf keinen Fall gerechnet“, sagt der Stützpunkttrainer, der die Sektkorken bereits knallen ließ, als sein Schützling noch mit Tränen in den Augen im Zielauslauf vom deutschen Team geherzt wurde.

Die Geschichte hinter der Goldmedaille macht sie noch wunderbarer: Erst wenige Wochen vor den Olympischen Spielen entschied sich Bundestrainer René Spieß, die Frauenteams neu zusammen zu stellen. Buckwitz, die sich über drei Jahre lang mit Pilotin Stephanie Schneider auf die Olympischen Spiele vorbereitet hatte, wurde in den Bob von Jamanka beordert. Top-Anschieberin Annika Drazek sollte mit der schnelleren Pilotin Schneider den deutschen Bob 1 bilden. Doch diese beiden waren schon am Dienstag zu den ersten beiden Läufen verletzt an den Start gegangen. Schneider hatte mit muskulären Problemen am Rücken zu kämpfen, Drazek war vor einer Woche im Training bei einem Hürdensprung umgeknickt. Ihre Vorteile als beste Starterinnen im Feld konnten sie nicht nutzen. Lisa Marie Buckwitz und Mariama Jamanka hingegen schafften es in wenigen Wochen, sich zu einem starken Team zusammen zu schweißen. „Wir haben versucht, uns darüber keine Platte zu machen und locker zu bleiben. Das ist uns ganz gut gelungen“, sagte Buckwitz überglücklich nach dem Goldlauf. „Heute Abend wird im deutschen Haus ordentlich gefeiert“, gab die 24-Jährige einen kleinen Einblick in die Abendplanung.

„Für Stephie tut es uns unheimlich leid“, sagt Peter Rieger, Geschäftsführer des SC Potsdam und des Brandenburgischen Bob- und Schlittenverbandes. Stephanie Schneider hatte 2008 ihre Karriere als Bobanschieberin in Potsdam unter Heinz Rieger begonnen und wechselte 2015 an die Lenkseile. Bis zuletzt trainierte sie noch immer nach den Trainingsplänen ihres Potsdamer Trainers.

Foto: bsd