Alica Schmidt sprintet jetzt für den SC Potsdam

MAZ – Wenn Alica Schmidt die Spikes schnürt, sich in den Startblock kniet und lossprintet, dann wird die Stadionrunde zum 400 Meter langen Laufsteg. Der Neuzugang beim SC Potsdam ist nicht nur auf der Kunststoffpiste schnell, sie startete auch im Netz durch und wird laut einem US-Portal als „heißeste Athletin der Welt“ gehandelt.

Auf ihrem Instagram-Account ging plötzlich die Post ab, mittlerweile steht sie bei über 144 000 Followern. Und es werden mehr und mehr. „Das hat mich total geschockt, was da abging“, gibt die 19-Jährige zu. Dabei sei alles nur ein Urlaubsspaß gewesen. Ihr Freund, der Potsdamer Kanute Fredi Richter-Mendau habe in Thailand ein paar Fotos gemacht, die sie dann ins Netz stellten. Auf einmal gab es Reaktionen aus der ganzen Welt. Ob Amerika oder Australien oder in britischen Boulevardzeitungen – Alica Schmidt verzauberte alle.

„So was war nicht geplant“, erzählt sie in einer Trainingspause in der Leichtathletikhalle im Potsdamer Luftschiffhafen. „Auch meine Eltern und Freunde waren ziemlich überrascht, die Reaktionen aber eher positiv.“ Mittlerweile hat sie die ersten professionellen Fotoshootings für ihren neuen Sportausrüster Puma schon hinter, weitere für eine Zeitschrift sollen folgen.

„Als Model sehe ich mich nicht. Das ist nicht der Wettbewerb, in dem ich die Goldmedaille gewinnen will“, erklärt die Leichtathletin, die schon als Dreijährige kurioserweise wiederum im Urlaub zufällig vom Frauen-Sprintbundestrainer Thomas Kremer quasi entdeckt wurde. „Meine Körperspannung fiel ihm sofort auf. So habe ich dann mit sechs, sieben Jahren mit der Leichtathletik in Ingolstadt begonnen“, berichtet die 1,75 Meter große Blondine von ihren sportlichen Anfängen. In diesem Sommer stand sie in der deutschen 4 x 400-Meter-Staffel, die bei den U20-Europameisterschaften in Grosseto/Italien Silber gewann. Außerdem wurde Alica Schmidt deutsche U20-Vizemeisterin über 400 Meter. Ihre Bestzeit steht bei 54,23 Sekunden.

Warum ausgerechnet die knüppelharte Stadionrunde, die die Sprinter im Ziel reihenweise vor Erschöpfung umfallen lässt? „Früher war ich Mittelstrecklerin“, erzählt die grazile Frau. „Aber es ging nicht voran. 400 Meter finde ich interessanter. Das Training macht Spaß, ist abwechslungsreicher. Ja, es ist eine harte Strecke, das reizt mich.“

Um noch besser trainieren zu können, wechselte sie nun vom MTV Ingolstadt in Bayern zum SC Potsdam. Die guten Trainingsbedingungen im Luftschiffhafen seien neben ihrem Freund mit ein Hauptgrund für den Ortswechsel gewesen. Allerdings hat sie nach dem Fachabitur das anvisierte Studium für Sportmanagement erst einmal zurückgestellt. „Da bin ich noch am überlegen, in welche Richtung es gehen soll“, gibt sie zu und nimmt nun ein freiwilliges soziales Jahr beim Leichtathletikverband Brandenburg in Anspruch. „In Ingolstadt hatte ich im Winter nicht mal eine Halle zum Training. Am Wochenende sind wir manchmal nach München gefahren. Das war ein enormer Aufwand“, erzählt Alica Schmidt, die in Potsdam bei Landestrainer Kai-Uwe Meier und Frank Möller trainiert. Letzterer, Ex-400-Meter-läufer, führte vor Jahren bereits Claudia Hoffmann auf der Stadionrunde in die deutsche Staffel und zu EM-Silber 2010.

Meier sagt: „Alica hat hier eine gute Trainingsgruppe. Jetzt geht es erst einmal darum, ihre Grundschnelligkeit auf den kurzen Strecken zu verbessern.“ Letztes Wochenende schaffte sie bereits Bestzeiten. Alica Schmidt könne sich auch vorstellen, auf die 400-Meter-Hürdenstrecke zu wechseln. „Probieren werden wir es nächstes Jahr bestimmt“, meint die talentierte Läuferin. „Ich will schon Anerkennung durch den Sport schaffen und nicht wegen meines Aussehens“, macht sie noch einmal klar.

Am Sonntag wird sich Alica Schmidt allerdings im hübschen Abendkleid präsentieren. Denn ihr Management hat sie zur Gala „Sportler des Jahres“ in Baden-Baden eingeladen. Das Leichtathletik-Sternchen freut sich auf den glamourösen Treff mit den Stars des Sports.

von Peter Stein

Foto: Bernd Gartenschläger