Christopher Linke bleibt beim SC Potsdam

MAZ – Geher Christopher Linke begibt sich nicht auf die Flucht, sondern bleibt dem SC Potsdam treu. Er hat seinen Vertrag gerade verlängert und will bei den Leichtathletik-Europameisterschaften 2018 in Berlin um eine Medaille kämpfen.

Als die Geher um Christopher Linke vom SC Potsdam im Sommer beim Fototermin zur Verabschiedung vor den Leichtathletik-Weltmeisterschaften wegen ausbleibender Zahlungen die Sponsoren-Logos auf ihren Vereinsshirts abgedeckt hatten, war das ein klares Signal. Der Olympia-Fünfte trug sich auch mit Abwanderungsgedanken. Seit Dienstagabend sind diese zerstreut. Denn beim Jahresabschlussempfang des Sportförderkuratoriums des SC Potsdam setzte Linke unter Beifall seine Unterschrift unter den Vertrag für 2018. Das nächste Ziel ist fest fixiert: die Leichtathletik-Europameisterschaften im August in Berlin.

Höhentraining in Mexiko

Für Linke und seine Trainingspartner Hagen Pohle sowie Nils Brembach, die ebenfalls beim SC verlängert haben, wird das ein Heimspiel. „Das motiviert natürlich. Wir gehen auf einem Rundkurs am Breitscheid-Platz an der Gedächtniskirche mitten in der City“, erzählt der 29-Jährige, der gerade mit seinem Zwillingsbruder Norman einen Thailand-Urlaub verbrachte und am Montag wieder in das Training einstieg. Mit Trainer Ronald Weigel war er zudem in Mexiko, um sich mögliche Alternativ-Höhencamps anzuschauen. „Im März werden wir wohl nach Mexiko fliegen“, schätzt Linke ein, danach soll gleich im April im tschechischen Podebrady der Saisoneinstieg folgen, wo der 1,91 Meter große Schlaks aus Werder/Havel in diesem Jahr mit 1:18:59 Stunden seine Bestzeit im 20 Kilometer Gehen aufstellte.

Im Zenit des Könnens

Bei den Weltmeisterschaften im August in London war er nur 22 Sekunden langsamer, trotzdem reichte das nach langer Führungsarbeit lediglich zu Platz fünf. „Dass die Konkurrenz bei der Hitze so stark war, hat mich überrascht“, gibt Linke zu, trotzdem sei er mit seiner Leistung zufrieden gewesen. „Bei Olympia in Rio war das noch eine Überraschung. Nun habe ich das bestätigt, ich bin in der Weltspitze dabei. Der Traum von einer Medaille lebt weiter.“

Bei der EM 2018 in Berlin will er das wieder angehen. Linke fühlt sich jetzt im Zenit seines Könnens. Daher möchte der Sportsoldat auch die Früchte seiner Arbeit ernten. Aber als Geher private Sponsoren zu finden, sei nahezu aussichtslos. Daher ist er seinem Verein dankbar, dass er ihn weiter unterstützen will.

Eine Liebeserklärung an den Verein

Dann formuliert Linke fast eine Art Liebeserklärung: „Ich bin ein Kind des SC Potsdam. Da hängt schon eine Menge Herzblut dran.“ Spontan erinnert er sich, wie das damals war, wie er überhaupt zum Gehen kam. Zunächst war er Läufer und wie sein Vater Handballer. Dann wechselte er auf die Sportschule. „Anfangs gehörte ich selbst zu jenen, die die Geher als Arschwackler veräppelt haben. Doch dann habe ich Andreas Erm zugeschaut, vier Stunden vor dem Fernseher gesessen und mir das 50 Kilometer Gehen bei Olympia 2004 angeschaut, wo der Potsdamer letztlich disqualifiziert wurde. Ich fand das spannend, faszinierend und mein Trainer Thomas Schelk hat das Talent fürs Gehen bei mir erkannt. Nach einem halben Jahr Training wurde ich deutscher Jugendmeister. Da hatte ich meinen Sport gefunden.“

Erm hatte 2003 als letzter deutscher Geher mit WM-Bronze international eine Medaille gewonnen. Linke sagt: „Fünfte Plätze habe ich genug.“ Denn auch 2014 bei der EM in Zürich ging er knapp am Podium vorbei.

Von Peter Stein