Ich, Deutsche Seniorenmeisterschaften? „Alles klar!“

Als ich motiviert durch meine Tochter Elin Freund im Februar 2017 bei der Leichtathletikgruppe der Erwachsenen des SC Potsdam eingestiegen bin, war an große Wettkämpfe nicht zu denken. Es kam allerdings anders und zwar mit großen und schnellen Schritten. Als ich den Landesmeistertitel Brandenburg in Rathenow auf 100m und 200m erringen konnte, sprach mich Frank Hempel (HSG Universität Greifswald) an, ob ich auch zu den Deutschen Seniorenmeisterschaften fahren will.

Ich schaute ihn etwas verdutzt an und dachte mir: „Jetzt schon? Nee, nächstes Jahr vielleicht“. Er sagte: „Wenn du die Qualifikationszeiten hast (die ich hatte) dann los, oder wann warst du das letzte Mal bei Deutschen Meisterschaften?“. „Noch nie!“ Der Entschluss war gefasst. Maik und Chris unterstützten das Vorhaben und schon war ich für die 100m und 200m in Zittau gemeldet.

Tag 1

Mein Seelencoach Nora (auch SC Potsdam, W40) begleitete mich und so fuhren wir nach Zittau. Die Abläufe bei solchen Events sind etwas ganz aanderes und ich war mir etwas unsicher, ob alles klappt. Neu war zum Beispiel der Callroom, wo die Athleten gesammelt werden, um dann an die Wettkampfstelle geführt zu werden. Wer nicht pünktlich da ist, wird disqualifiziert. Sehr beruhigend das zu lesen und ich hoffte, dass alles klappt.

Aufwärmen für die 100m im Regen (nicht schön) und siehe da, ich war pünktlich am Callroom. Merklich angespannt ging es zu den Startblöcken im Wettkampfbereich. Unsere Bahnen wurden uns schon im Callroom gesagt. Im Startbereich standen Kisten mit den Bahnnummern, worin die persönlichen Dinge verstaut wurden. Diese wurden dann von den freundlichen Helfern ins Ziel getragen. Schon beeindruckend, wenn man so etwas nicht kennt.

Also dann: Spikes an, lange Klamotten aus und Adrenalin tanken. Der Regen hatte aufgehört und die Sonne schien auf die schöne neue rote Tartanbahn. Die warme Sonne brachte die Bahn zum Qualmen, sodass ich gerade bis zum Ziel runter schauen konnte. Ich blickte nach rechts, wo kurz nach dem Start die gut besetzte Tribüne anfing. Jetzt klatschten sich alle Starter nochmal ab und obwohl jeder gewinnen wollte, stand der Spaß genauso im Vordergrund.

Das macht es angenehm teil zu nehmen.
Auf die Plätze … fertig … Bum!

Ich gab Vollgas, von der Tribüne hörte ich lautes Geschrei und schon war ich im Ziel. Das erste, was ich dachte war: Mist nicht gut gelaufen. Ein kleiner Stolperer war auch dabei.

Im Ziel klatschten sich dann wieder alle ab. Eine wirklich tolle Truppe, die Leichtathleten.

Dann waren die Zeiten auf der Anzeigetafel zu sehen: 12,11 sec, Platz 5. Der Ärger war größer als die Freude über meine neue Bestzeit, denn ich wusste/dachte, dass da mehr drin war. Wir haben dann noch einige andere Wettkämpfe gesehen und mit einer Menge Sportler gequatscht. Das ist wie eine große Familie, denn die meisten kennen sich schon lange und man hat das Gefühl, dass man gleich dazu gehört.

Tag 2

200m standen auf dem Programm und bei der Erwärmung zwickte es schon hier oder da.

Aber das scheint normal zu sein bei den „Oldies“, denn man hörte immer mal wieder von dem einen oder anderen Zipperlein bei den anderen Teilnehmern.
Dann hieß es wieder Callroom, doch ich „alter Hase“ kannte mich jetzt aus und trottete ohne große Aufregung hin. Nach den 100m von gestern und den kleinen Zipperlein war ich nicht sonderlich überzeugt, mein Ziel zu erreichen.

Die Bahn war trocken und ich hatte Nummer 2. Alle acht Bahnen waren besetzt.

Dann wieder abklatschen und jeder wünscht jedem einen guten Lauf. Es machte knall und es ging wieder ab. Am Kurvenausgang fühlte sich das Feld recht nah beieinander an und ich merkte, wie die Beine drehten. Ich kam mit Bahn 3 auf gleicher Höhe aus der Kurve und es ging an der Tribüne vorbei, wo ich laut „Paaappppaaa“ hörte. Ich war nicht gemeint, denn meine Kinder waren ja nicht dort. Der Schritt blieb sauber und kein Gewürge auf den letzten Metern. So hielt ich Bahn 3 in Schach und schon war ich im Ziel. Das erste Gefühl war, „Geiles Ding, das ist Hammer ist gelaufen!“.

Von den anderen Bahnen hatte ich kaum etwas mitbekommen und dann standen die Zeiten auch schon auf der Anzeigetafel: 24,80sec und somit Platz 4.
Das wollte ich sehen und ließ ein lautes „jaaaa“ raus. Schon waren die 100m vergessen, die mit etwas Abstand betrachte, so schlecht nicht waren.
Es war eine super Veranstaltung also bis zum nächsten Jahr.

Jetzt müssen mich Maik und Chris nur noch schneller machen. 😉