Piotr Lisek landet dritten Sieg im Stern-Center

Regelmäßig verwandelt sich das Potsdamer Einkaufscenter in einen Sportplatz. Dann nehmen die besten Stabhochspringer Anlauf. Am Samstag gewann der Pole Piotr Lisek mit 5,78 Meter den Wettbewerb und verpasst seine Jahresweltbestleistung dabei nur knapp.

Wenn Piotr Lisek Anlauf nimmt, sind alle Blicke auf ihn gerichtet. Denn ehe der Pole losrennt, stößt er einen Urschrei à la Tarzan aus und schwingt sich dann – wie der märchenhafte Urwaldmensch – in die Höhe. Der 25-Jährige gewann am Samstag das 19. Internationale Stabhochsprung-Meeting im Stern-Center Potsdam mit 5,78 Meter. Als er im dritten Versuch die Latte überwand, riss er schon im Flug die Arme hoch. Kaum auf der Matte gelandet, ballte der Ausnahmekönner die Hände zur Faust und stieß erneut einen Jubelschrei aus.

Danach versuchte er sich an 5,87 Meter, erneut war Lisek im dritten Anlauf beinahe drüber, ehe er mit seinem stark tätowierten muskelbepacktem Oberkörper doch noch die Latte berührte und zum Herunterfallen brachte. Damit hätte er die Jahresweltbestleistung des französischen Olympiasiegers Renaud Lavillenie um einen Zentimeter überboten. „Ich bin sauer, weil ich das nicht geschafft habe“, sagte Lisek. „Es war erst mein zweiter Wettkampf in dieser Hallen-Saison. Potsdam wird immer etwas Besonderes für mich sein.“ Denn im Vorjahr übertraf er hier erstmalig die sechs Meter und stellte einen polnischen Landes- sowie Meetingrekord auf.

Erfolgreiches Jahr

Überhaupt war 2017 ein erfolgreiches Jahr für den Stabartisten aus dem Nachbarland, der bei Coach Marcin Szszepanski in Stettin trainiert. Lisek wurde Hallen-Europameister und Vizeweltmeister. Daran will er 2018 anknüpfen. Immerhin schaffte er nun nach 2015 und 2017 den dritten Sieg in Potsdam und zog mit dem Kölner Björn Otto gleich, der 2003, 2012 und 2013 im Stern-Center triumphierte. Lisek, der am Samstag den Schweden Melke Svärd Jakobsson und den Franzosen Axel Chapelle (beide 5,68 Meter) auf die Plätze verwies, meinte: „Es ist einfach großartig, hier zu springen. Ich mag die besondere Atmosphäre, wenn die Zuschauer ganz dicht an der Anlage stehen. Außerdem ist es nicht so weit weg von zu Hause.“

Knapp drei Stunden hätten sie mit dem Auto samt den Stäben auf dem Dach von Stettin nach Potsdam gebraucht. Auch Ehefrau Alexandra war mit dabei. Nur Hund Big Mac musste zu Hause bleiben. Ob dieser auch etwas von der leckeren Siegertorte abbekommt, ließ Lisek offen, dessen Appetit auf mehr jedoch groß ist.

Gold ist das nächste Ziel

Nach WM-Bronze 2015 und WM-Silber 2017 will er nun endlich Gold. Zunächst Anfang März bei der Hallen-Weltmeisterschaft in Birmingham. Saison-Höhepunkt sind auch für ihn die Leichtathletik-Europameisterschaften im August in Berlin.

In der deutschen Hauptstadt wird Lisek bereits am Freitag wieder sein und beim Istaf Indoor in der Arena am Ostbahnhof starten. Dort kommt es dann zum direkten Duell mit Weltrekordler Lavillenie und weiteten Topstars wie Rio-Olympiasieger Thiago Braz da Silva. Dann will sich Lisek endgültig an die Spitze der Jahresbestenliste katapultieren. Der Urschrei wird nicht zu überhören sein.

Von Peter Stein

Foto: Bernd Gartenschläger

Erfolgeicher SC Potsdam-Nachwuchs

In den zahlreichen Nachwuchs-Wettbewerben war der SC Potsdam der dominante Verein. Siege holten Wilhelm Ermler (U16/3,60), Ole Perske (U18/4,50), Niklas Albrecht (U20/4,80), Marek Rösler (U23,/5,10) und Leni Freyja Wildgrube. Letztere ist U18-Vizeweltmeisterin und setzte sich nun in dieser Altersklasse beim Heim-Meeting durch. Sie meisterte 4,05 Meter. Ihr Trainer Toralf Neumann hatte zuvor gehofft, dass Wildgrube im Stern-Center den deutschen U18-Hallenrekord verbessert – dieser liegt bei 4,20 Metern.

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