Maike Naomi Schnittger startet bei der Paralympics-WM in Mexiko

MAZ – „Nun wird es endlich Zeit, dass es losgeht“, sagt Maike Naomi Schnittger. Die 23-Jährige vom SC Potsdam startet ab Samstag bei den Paralympischen Schwimmweltmeisterschaften in Mexiko-City – im zweiten Versuch gewissermaßen.

Denn sie war bereits im September in Mexiko, als plötzlich ein Erdbeden das mittelamerikanische Land erschütterte. Die WM wurde abgesagt und auf Dezember verschoben. „Dadurch ist die Saison nun sehr lang geworden. Im Prinzip habe ich mich 13 Monate auf die WM vorbereitet. Ich merke, dass mich das ganz schön geschlaucht hat. Man wird müde“, stellt Maike Naomi Schnittger fest.

Doch die Silbermedaillengewinnerin der Paralympics von Rio 2016 hat sich für die WM eine Menge vorgenommen und inzwischen in Mexiko akklimatisiert. „Die Höhe macht mir doch ganz schön zu schaffen“, erzählt die Psychologiestudentin. „Aber ich habe hier in Mexiko viele Freunde an meiner Seite, die mich unterstützen.“An erster Stelle nennt sie dabei Schwimmerin Sonnele Öztürk, die ebenfalls aus der Trainingsgruppe von Coach Jörg Hoffmann im Luftschiffhafen kommt und die stark sehbehinderte Maike Naomi Schnittger – sie leidet seit 2004 an einer Zapfendystrophie und ihr Sehvermögen hat sich von damals 60 Prozent auf unter 1,9 Prozent verschlechtert – auf Schritt und Tritt begleitet.

Zudem trainiert seit dem Sommer mit Nicole Lopez eine mexikanische Austauschschülerin in Potsdam. Deren Familie kümmert sich nun in Mexiko ein wenig um Schnittger. „Das ist natürlich super“, berichtet sie. „Ich bin richtig toll aufgenommen worden, wie eine Tochter der Familie. Nicoles Mutter Patricia – eine Mexikanerin deutscher Herkunft – war selbst als Schwimmerin 1984 bei den Olympischen Spielen dabei. Zu den Wettkämpfen wollen mich alle unterstützen, so habe ich mit Nicoles Verwandtschaft einen eigenen Fanclub. Das finde ich richtig super. Wir werden eine schöne Zeit hier in Mexiko haben.“

Maike Naomi Schnittger wird über 50 und 100 Meter Freistil starten. Anfang das Monats bei den Deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Remscheid hat sie sich das nötige Selbstvertrauen geholt. Denn über 50 Meter Freistil in 27,35 Sekunden und über 100 Meter Freistil in 59,74 Sekunden stellte sie jeweils deutsche Rekorde auf. Über 200 Meter Freistil schwamm die Havelstädterin in der Schadensklasse S12 in 2:10,17 Minuten sogar einen Weltrekord.

„Diese Zeiten waren der Lohn für meine harte Arbeit. Ich kann mich nur selbst schlagen. Die Form ist da. Das Training bei Jörg Hoffman hat sich ausgezahlt“, meint die Potsdamerin, wäre da nicht die knappe Höhenluft. Mexiko-City liege immerhin 2250 Meter hoch. „Ich bin eine Sportlerin die damit weniger gut zurecht kommt“, gesteht Maike Naomi Schnittger. „Das habe ich schon bei unserem ersten Aufenthalt in Mexiko im September gemerkt. Damit muss ich jetzt klar kommen.“

Fernziel für die Freistilspezialistin sind die Paralympics 2020 in Tokio. Ihre besondere Motivation zieht Maike Naomi Schnittger, die demnächst einen Blindenhund an die Seite bekommen wird, aus der Tatsache, dass sie 1994 in Yokohama geboren wurden. Ihre Eltern arbeiteten damals in Japan als Lehrer.

Am 9. Dezember will Maike Naomi Schnittger wieder zurück in Potsdam sein und freut sich schon auf die Brandenburgische Sportgala in der Metropolishalle. Natürlich möchte sie gern eine WM-Medaille mitbringen.