Davide Carli: „Eine tolle Mannschaft, die jeden Tag mit Spaß dabei war“

Davide Carli „Charlie“ ist vor einem Jahr aus Schwerin, wo er vier Jahre lang Co-Trainer war, zum SC Potsdam gekommen und hat hier seine erste Station als Cheftrainer angetreten. Als Hauptrundenvierter konnte der Italiener in seiner Premierensaison die Spielzeit sogleich mit dem bisher besten Ergebnis des SC Potsdam abschließen. Wir haben uns mit dem 34-Jährigen über die abgelaufene Saison, die Wünsche für die Zukunft und die nun bevorstehende Sommerpause unterhalten. Außerdem erzählte er uns, wie ein guter Restaurantbesuch mit der Saison des SC Potsdam zusammen hängt.

Charlie, es war deine erste Saison als Cheftrainer. Bist du zufrieden mit deiner Arbeit? Hast du dir so dein erstes Jahr als Chef vorgestellt?

Charlie: Ja, ich bin zufrieden. Es war vielleicht nicht immer leicht, aber meine Motivation war immer hoch und ich denke, ich habe vieles ganz gut gemacht. Mir gefällt dieser Job und ich bin bereit für die nächste Saison. Ich glaube, für das erste Jahr als Cheftrainer war es ein guter Anfang. Natürlich kann es noch besser sein – wie vieles. Aber es war okay. Und ich freue mich auf das zweite Jahr.

 

Mit dem vierten Platz nach der Hauptrunde hat der SC Potsdam das bisher beste Saisonergebnis in der Vereinsgeschichte erzielt. Wie fällt dein Fazit in Bezug auf die mannschaftliche Leistung aus?

Charlie: Die Mannschaft hat sich im Laufe der Saison sehr gut entwickelt. Wenn ich mir die ersten Spiele im Vergleich zu den letzten Spielen anschaue, ist eine deutliche Entwicklung zu sehen. Natürlich gibt es mit solch einer jungen Mannschaft, wie wir es sind, auch Phasen, in denen es nicht so gut läuft, in denen man nicht so gut spielt. Aber aus meiner Sicht war der vierte Platz für Potsdam – hinter den Top-3-Teams Deutschlands, sehr sehr gut. Ein paar Punkte haben wir sicherlich unnütz liegen gelassen, andernfalls hätten wir auch um den dritten Platz mitspielen können, aber wahrscheinlich wäre das noch zu viel für das erste Jahr gewesen.

Wir sollten allerdings auch bedenken, dass wir in dieser Saison keine Verletzungen hatten, alle waren immer motiviert, haben im Training gut gearbeitet. Deswegen kann ich insgesamt sagen, dass ich sehr zufrieden mit der Leistung der Mannschaft bin.

 

Trotz der guten Saison und den optimalen Voraussetzungen für den Halbfinaleinzug mit zwei Heimspielen im Viertelfinale hat es am Ende wieder nicht geklappt. Was ist dir nach dem dritten Entscheidungsspiel, welches mit 1:3 gegen Wiesbaden verloren ging, durch den Kopf gegangen?

Charlie: Nach dem letzten Spiel war ich persönlich gar nicht so sehr enttäuscht. Meine Enttäuschung nach dem vorletzten Spiel war viel größer. Das 0:3 in Wiesbaden hat mir deutlich mehr weh getan. Da hatte ich größere Sorgen. In den anderen Spielen haben wir immer gekämpft, zu Hause gegen Wiesbaden haben wir eine gute Leistung gezeigt. Wiesbaden hatte vielleicht ein bisschen mehr den Biss und Willen ins Halbfinale zu kommen als wir und hat deswegen am Ende auch gewonnen.

Unsere Saison vergleiche ich gerne mit einem guten Abendessen: Du gehst in ein gutes Restaurant, isst dort eine gute Vorspeise, die super lecker ist, einen tollen ersten und zweiten Gang, nur am Ende ist das Tiramisu etwas trocken und schmeckt nicht gut. Aber insgesamt wird dir das Abendessen als sehr gut in Erinnerung bleiben. Und so in etwa war auch unsere abgelaufene Saison.

 

Was stand nach dem letzten Spiel für dich noch an? Hast du die Saison noch einmal aufgearbeitet? Hast du nochmal mit den Spielerinnen gesprochen?

Charlie: Mit den Spielerinnen haben wir bereits im Januar und Februar gesprochen, um ihnen unsere Pläne für die Zukunft darzulegen. Man kann nicht sagen, dass diese Saison jetzt vorbei ist, sondern es ist eher ein Zyklus, der nun vorbeigeht, aber dem schließt sich gleich wieder ein Neuer an. Wir hoffen, dass viele Spielerinnen bei uns bleiben. Und so können wir bereits jetzt anfangen, an der neuen Saison zu arbeiten. Wir sollten nicht denken, dass dieses Jahr jetzt abgehakt ist und wir einen Strich drunter machen, wir werden kontinuierlich weiterarbeiten, sodass wir im nächsten Jahr wieder ein bisschen mehr erreichen.

 

Nun sind einige Wochen seit dem letzten Spiel vergangen. Mit etwas Abstand betrachtet, was hätte in der abgelaufenen Saison noch besser laufen können?

Charlie: Dass wir gegen Wiesbaden gewinnen. Das hätte besser laufen können.

Wo lagen die Schwächen in der Mannschaft? Woran sollte man in der nächsten Saison weiter arbeiten?

Charlie: Als erstes müssen wir schauen, dass wir mit allen Spielerinnen weiterarbeiten können, dass sie bei uns bleiben und wir nur ganz wenige Baustellen im Team haben. Unsere Arbeit mit den Zuspielerinnen war bereits sehr gut. Ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung von Marie Knauf. Sie hat sich in ihren Bewegungen, in ihrer Technik sehr verbessert. Denise Imoudu muss noch ein bisschen mehr an ihrer Taktik arbeiten, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber am Ende haben sie beide eine super Saison gespielt, was sehr wichtig für das gesamte Team ist. Sie sind schließlich die Spielmacherinnen. Nun müssen wir weiterarbeiten an der Schnelligkeit, der Kraft, der Koordination und Ausdauer.

 

Was wünschst du dir für die neue Saison?

Charlie: Eine gute Mannschaft. Ich wünsche mir wirklich, dass die Mannschaft mit der gleichen guten Stimmung und der Lust am Volleyballspielen wie im vergangenen Jahr auch in der neuen Spielzeit wieder in die Halle kommt, alle motiviert sind und Spaß an der Arbeit haben. Dieses Jahr war wirklich ein tolles Jahr mit einer tollen Mannschaft, die jeden Tag mit Spaß dabei war.

 

In der kommenden Saison könnte der SC Potsdam erstmalig international spielen. Was muss dafür gegeben sein? Wie denkst du darüber?

Charlie: Als erstes müssen wir schauen, wie die Saison ausgeht. Wer wird Meister? Welches Team nimmt welchen Platz im Europapokal ein? Und dann können wir schauen, welcher Platz für uns bleibt. Ich glaube, der Europapokal ist eine gute Sache für uns. Wir sind eine junge Mannschaft und brauchen die Erfahrung gegen andere Topmannschaften, wie beispielsweise aus der Ukraine zu spielen. Das Niveau der deutschen Bundesliga ist gut, aber manchmal ist der Vergleich mit anderen Mannschaften aus Europa auch wichtig. Egal, ob sie aus der Ukraine oder aus Italien, aus Spanien, wo das Niveau etwas schwächer ist, oder Russland, die eine stärkere Liga haben, kommen.

In den vier Jahren, in denen ich in Schwerin trainiert habe, waren wir zwei Mal in der Champions League, einmal im CEV-Cup und in der einen Saison ohne Europapokal hat tatsächlich etwas gefehlt. Die ständige Spannung, das hohe Niveau auf dem man stetig spielen muss, das bringt eine Mannschaft voran. Wenn man, so wie wir in dieser Saison, fünf Mal gegen Wiesbaden spielt, in der nächsten Saison auch wieder zwei Mal, dann wird es etwas langweilig. Neue Gegner sind immer eine Motivation für die Mannschaft.

 

Jetzt ist erst einmal frei. Wie sieht der Sommerfahrplan für dich und die Spielerinnen aus?

Charlie: Bis kurz nach Ostern haben wir nun erst einmal frei. Die Spielerinnen können sich etwas ausruhen, sich um Schule und Uni kümmern. Ab Mai fangen wir schon wieder an zu trainieren und Dinge für die neue Saison vorzubereiten. Sicherlich werden wir im Sommer auch mit vielen jungen Spielerinnen aus der zweiten Mannschaft arbeiten. Das wollen wir einmal ausprobieren.

 

Fährst du in den Urlaub?

Charlie: Erst einmal ist für mich kein Urlaub geplant. Ich baue gerade ein Haus in Schwerin. Da gibt es eine Menge zu tun. Da meine Eltern in der Nähe von Venedig wohnen, ist es für mich zu Hause auch immer wie Urlaub mit Sonne, Strand und gutem Wetter.

Erst einmal müssen wir jedoch die Mannschaft für die neue Saison bauen und einen Plan machen und dann kann ich über Urlaub nachdenken.

 

Wie schaltest du am besten vom Volleyball ab?

Charlie: Meine Motivation ist eigentlich immer hoch. Im Laufe eines Jahres gibt es immer verschiedene Phasen als Trainer: In der Saisonvorbereitung muss ich schauen, wie ich meine Mannschaft zusammenbaue und welche Systeme ich mit der Mannschaft spielen kann. In der Saison analysiere ich die Gegner und versuche meine Mannschaft auf die gegnerischen Teams möglichst optimal einzustellen. Das ist was völlig Anderes. In dieser Zeit schaue ich sehr viele Videos, analysiere den Gegner und suche Möglichkeiten dagegen zu halten. Und nach der Saison, im Sommer, denke ich über die individuelle Technikausbildung der Spielerinnen nach. Wie kann ich die einzelnen Spielerinnen verbessern? Oder, wenn es einen großen Umbruch im Team gibt, muss man neue Spielerinnen suchen, viele Gespräche mit Managern und Spielerinnen führen und schauen, dass man eine optimale Mannschaft zusammenbekommt. Es ist immer etwas Neues, sodass mir eigentlich nie langweilig wird.

Danke Charlie, so wünschen wir dir eine erfolgreiche, aber auch etwas entspanntere Sommerpause!

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