Interview: „…würden uns freuen, wenn man auch vermehrt Positives kommunizieren und die Gesellschaft nicht immer nur von dem Schlechten ausgehen würde.“

Wir, der SC Potsdam e.V., sprechen heute mit Pflegepersonal unseres langjährigen Partners „Klinikum Ernst von Bergmann“ in Potsdam.

Anton Austen (Foto, links), Mitarbeiter des Klinikums, ist seit 5 Jahren ehrenamtlicher treuer Helfer des Aufbauteams unserer Volleyball-Bundesligamannschaft sowie auf weiteren Veranstaltungen des SC Potsdam e.V. ehrenamtlich im Einsatz.
Auch Herr Krause (Foto, rechts) ist neben seinem Vollzeitjob als Pfleger, ehrenamtlicher Fußballtrainer in einem Potsdamer Fußballverein.
Über Ihre Berufe, die aktuelle Arbeitssituation aufgrund Covid-19 im Klinikum Ernst von Bergmann und die Verbundenheit zum Sport und Potsdams Sportvereinen gerade in der derzeitigen Lage, sprechen die beiden mit uns ganz offen und ehrlich.

Interview

Potsdam, 13.05.2020

J.F.: Herr Krause, Herr Austen, Wie geht es Ihnen Beiden aktuell? Wir hoffen, Sie sind gesund und können zwischen Ihren Schichten etwas durchatmen?

Herr Krause & Herr Austen: „Aktuell geht’s uns gut, die soziale Isolation von Freunden und der Familie und die einschränkte Freizeitgestaltung ist nicht schön, aber für einen begrenzten Zeitraum machbar. Gerade ist es aber auch schön, mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können, da die Familie im normalen Alltag leider oft zu kurz kommt.“

J.F.: Wie empfinden Sie die derzeitige Lage in Ihrem Arbeitsbereich des Klinikums? Bemerken Sie erhebliche Änderungen in ihrer Arbeit oder Arbeitsintensität während der Corona-Zeit? Gibt es in Zeiten der besonderen Solidarität auch ein anderes Gefühl untereinander im Team?

Herr Krause & Herr Austen: „Aktuell sind wir beide gesund und munter. Der Arbeitsaufwand auf den peripheren Stationen ist gut zu bewältigen und hält sich in Grenzen, da das geplante OP Programm teilweise aufgrund von Covid-19 eingestellt wurde. Dafür besteht jetzt die Zeit, andere Berufsgruppen zu unterstützen oder Dinge zu erledigen, die liegen geblieben sind.

Wir befinden uns in einer kompletten Neustrukturierung der einzelnen Covid-19-Bereiche. Es fühlt sich noch alles sehr ungewohnt an. Leere Stationen im Haus kannte man vorher so nicht. Die Solidarität im Klinikum ist in dieser schweren Zeit sehr hoch angesiedelt, da wir bemüht sind, gemeinsam wieder Herr der Lage zu werden und das geht ZUSAMMEN einfach am besten.
Wir lassen uns nicht unterkriegen und sind gerne weiterhin für unsere Patienten da.“

J.F.: Herr Krause, warum lieben und leben Sie ihren Beruf als Krankenpfleger? Welche Besonderheiten ergeben sich aktuell für Sie beruflich in Sachen Verantwortung und Emotionalität oder auch Respekt vor der Arbeit hinsichtlich der Corona-Zeit.
Oder hat sich im Grundsatz eigentlich nichts verändert an Ihrer Arbeit oder Ihrem Gefühl bei der Arbeit?

Herr Krause: „Ich mag es, mit Menschen zu arbeiten und mich täglich auf ein abwechslungsreiches Arbeitsspektrum freuen zu können. Es ist toll zu sehen, dass sich Patienten z.B. nach einer Operation wieder erholen, durch unsere Unterstützung im Team, z.B. durch die Mithilfe von Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, etc. Alle Mitarbeiter versuchen, das Optimale für den Menschen rauszuholen.
Ich gehe jeden Tag mit Respekt zur Arbeit und ich denke, dass sich nicht so viel verändert hat. Ich werde trotz Corona alles geben und mein Bestes im Sinne des Patienten tun.“

J.F.: Herr Austen, neben Ihrem Beruf im Klinikum engagieren Sie sich ehrenamtlich für den SC Potsdam e.V. und sind ein nicht wegzudenkender Bestandteil des ehrenamtlichen Aufbauteams unserer Volleyball-Bundesliga Frauenmannschaft. Seit wann sind Sie dabei und was sind Ihre Aufgaben?

Herr Austen: „Ich bin seit ca. 5 Jahren im ehrenamtlichen Team des SC Potsdam und bin am Aufbau und am Abbau des Spielfeldes der Volleyballmannschaft mit dem Team beteiligt.
Dazu gehören: Spielfeldmatten ausrollen, Linien kleben für das Spielfeld, Schutzbanden stellen, Stühle und Banden für die Teams stellen usw. Fahnen aufhängen, den Bereich für die Punktrichter aufbauen und viele weitere kleine Aufgaben.“

J.F.: Und wie sehr vermissen Sie Ihre Zeit in der MBS Arena mit den anderen Helfern und Organisatoren des SC Potsdam e.V.?

Herr Austen: „Ich vermisse die Arbeit beim SC Potsdam e.V. auf jeden Fall, aber nicht nur die Arbeit, sondern auch das gesamte Team und natürlich die Mannschaft und ihre aufregenden und erfolgreichen Spiele. Das war für mich immer ein besonderes Erlebnis. Ich hoffe sehr, dass wir in der kommenden Zeit bald wieder zum normalen Alltag zurückkehren können.“

J.F.: Auch Sie, Herr Krause, sind ehrenamtlich in einem Sportverein tätig? In welchem und mit welcher Aufgabe?

Herr Krause: „Ja das bin ich. Ich bin in der SG Saarmund tätig. Ich habe 6 Jahre Kinder beim Fußball trainiert und bin seit mehr als 15 Jahren Schiedsrichter im Land Brandenburg. Im Verein bin ich für die Akquise neuer Schiedsrichter verantwortlich.“

J.F.: Was ist Ihr beider Appell an alle Sportvereinsmitglieder/Sportvereinsanhänger? Und was ist Ihr Appell an alle Menschen unserer Gesellschaft?

Herr Krause und Herr Austen:

„1. Bleibt Euren Vereinen treu und geht wieder zum Sport, wenn Ihr dürft!

2. Gebt uns Schwestern / Pflegern / Therapeuten / Ärzte das Vertrauen, dass wir gute Arbeit leisten und wir zahlen es Euch mit viel Engagement und Liebe zum Beruf zurück. Haltet Euch an die vorgegebenen Maßnahmen von der Bundesregierung und wir kommen da gemeinsam durch.

3. Wir würden uns freuen, wenn man auch vermehrt Positives kommunizieren und die Gesellschaft nicht immer nur von dem Schlechten ausgehen würde.“

Wir bedanken uns herzlich für das Interview. Wir freuen uns sehr, speziell Sie, Herr Austen, bald wieder im Team zu haben, sobald der Spielbetrieb wiederaufgenommen werden kann. So sicherlich auch Ihr Sportverein, Herr Krause.
Bis dahin aber gilt unsere ganze Kraft und Unterstützung der Einhaltung der aktuellen Maßnahmen, um ihre Arbeit im Klinikum Ernst von Bergmann in dieser besonderen Zeit so gut es geht zu entlasten und eine Versorgung für alle, die gesundheitliche Hilfe benötigen, zu gewährleisten!

Als Sportverein danken wir Ihnen Beiden für Ihre jahrelange ehrenamtliche Arbeit und als Teil dieser Gesellschaft sagen wir DANKE für den unentbehrlichen und aufopferungsvollen Einsatz im Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam in dieser anspruchsvollen Zeit!
Bleiben Sie gesund!


Foto MBS Arena Potsdam: Nicol Marshall

Foto von Pflegepersonal Klinikum Ernst von Bergmann: Anton Austen

Datum: