Levi im Interview: „Die Goldmedaille von Peking kann uns keiner mehr nehmen“

Deborah Levi vom SC Potsdam gehört zu den großen Medaillenhoffnungen bei den olympischen Winterspielen im Februar. 2022 holte die Anschieberin gemeinsam mit ihrer Pilotin Laura Nolte (BSC Winterberg) im Zweierbob der Frauen Olympia-Gold für Deutschland. Im Frühjahr 2025 wurde sie gemeinsam mit Nolte Weltmeisterin. Vor der Abreise zu den Winterspielen spricht Levi im Interview über Erwartungen, Gelassenheit und die letzten Tage bis Olympia.

Deborah, Sie sind gerade im Bundesland Brandenburg als „Sportlerin des Jahres 2025“ geehrt worden. Die Auszeichnung sollte beim Jahresempfang des Sportlandes Brandenburg übergeben werden. Aber Sie waren nicht da. Warum?

Deborah Levi: Ich war leider nicht dabei, weil der letzte Weltcup der Saison in Altenberg anstand. Das hätte sich mehr oder weniger überschnitten. Das war bei Georg Fleischhauer, der Zweiter bei den Männern geworden ist, ähnlich. Er konnte auch nicht dabei sein. Daher hatten wir auch beide eine Grußbotschaft nach Potsdam geschickt. Es war in der Nachbetrachtung auch richtig, dass der Wettkampf an dem Wochenende vorging. Der Weltcup-Sieg war eine gute Generalprobe für die olympischen Bob-Wettbewerbe in Cortina d’Ampezzo, die bald anstehen.

Beim Weltcup in Altenberg haben Sie zusammen mit Laura Nolte die aktuelle Top-Form eindrucksvoll unterstrichen. Zusammen haben Sie in diesem Winter fünf Rennen gewonnen. Wie bewerten Sie die Saison bis hierher?

Levi: Bis jetzt lief es nahezu perfekt. Es hat alles gepasst. Und auch die Stimmung im Team hat dazu beigetragen, dass wir so gut performen konnten. Wir waren bislang – obwohl es mit den Winterspielen im Februar eine ganz wichtige Saison ist – sehr gelassen. Wir hatten von Weltcup zu Weltcup immer mehr Spaß. Dazu hat auch Leonie Kluwig vom SC Potsdam beigetragen, die ja, wenn ich nicht zum Einsatz gekommen bin, super Leistungen gebracht hat. Wir waren somit im Weltcup immer auf dem Podium. Deshalb haben wir uns sehr gefreut, dass wir in Altenberg noch einmal gewinnen konnten und somit als Team in der Weltcup-Gesamtwertung an erster Stelle standen.

Als nächstes kommen die olympischen Spiele. Wie werden Sie die Zeit bis zur Zweierbob-Entscheidung am 20. und 21. Februar nutzen?

Levi: Wir sind aktuell mit unserem Athletiktraining in Frankfurt. Am 2. Februar reisen wir in Cortina d’Ampezzo an. Am 4. und 5. des Monats haben wir noch zwei ‚inoffizielle‘ Trainingstage: Da bekommen wir die Chance, auf der Bobbahn zu trainieren und den Eiskanal runterzufahren. Es ist gut, diese Läufe noch einmal mitzunehmen. Denn nach dem Weltcup-Auftakt im November wurde die Bahn zwischenzeitlich enteist und inzwischen wieder vereist, sodass die Kurven jetzt ein wenig anders sein könnten. Das sieht man vor Ort am besten. Danach ist bis zu den ersten Monobob-Wettkämpfen von Laura noch ein bisschen Zeit. Die verbringen wir dann im olympischen Dorf. Dort trainieren wir dann weiter und schauen auf die Athletik. Bestimmt sehen wir uns auch das ein oder andere an. Aber der Fokus liegt zunächst auf den eigenen Wettbewerben.

Sie sind so gut in Tritt gewesen. Ist die Wettkampfpause bis zu den Winterspielen nicht kontraproduktiv?

Levi: Nein, das kann man nicht sagen. Wir sind froh, denn die Weltcup-Saison war lang und anstrengend. Das Athletiktraining in gewohnter Umgebung zu machen und zu Hause im eigenen Bett zu schlafen, das tut ganz gut. Jetzt sehen wir noch einmal andere Menschen, mit denen wir nicht in unserem Sport zu tun haben. Das lenkt auch ein bisschen ab. Trotzdem ist der Fokus da.

Ist der Druck, weil es in dieser Saison bisher so gut lief, eigentlich größer als 2022 vor den Spielen in Peking?

Levi: Wir selbst machen uns keinen größeren Druck. Von außen sind die Erwartungen aber höher, weil wir ja schon einmal Gold gewonnen haben und der Winter bis hierher so gut verlief. Natürlich zählen wir zu den Favoritinnen. Aber von den Erwartungen lassen wir uns nicht beirren. Wir bereiten uns vor, wie sonst auch. Und dann geht es darum, in vier Läufen – im Weltcup hat man ja nur zwei – zwei Tage lang die Leistung abzurufen. Da kann eine Menge passieren. Aber ich glaube, wir sind auf alles, was da kommen kann, eingestellt.

Ist die Tatsache, dass Sie gemeinsam mit Laura Nolte schon einmal Olympia-Gold gewonnen haben, ein Vorteil?

Levi: Genau, die Goldmedaille von Peking kann uns keiner mehr nehmen. Und das ist auch immer so ein bisschen im Hinterkopf. Das gibt uns Selbstvertrauen und Sicherheit. Deshalb sind wir relativ gelassen. Trotzdem ist man dann am Ende nervös. Aber das muss auch so sein, um fokussiert zu bleiben.

Werden Sie mit Laura Nolte vor den Spielen noch einmal in Potsdam sein?

Levi: Vor Olympia schaffen wir es leider nicht mehr, aber definitiv danach. Aktuell sind wir in Frankfurt. Aber nach den Winterspielen beginnt ja wieder die Vorbereitung auf die neue Saison. Da ist neben dem privaten Potsdam-Besuch natürlich auch schon das nächste Trainingslager für den Sommer vor Ort geplant.

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Foto: Deborah Levi (re.) vom SC Potsdam gehört zu den Medaillenhoffnungen bei den Winterspielen (Bildquelle: SC Potsdam)

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