Das elendig lange Warten hat ein Ende. Nach einer schier ewig andauernden Sommerpause voll von intensivem Training, aber auch geprägt von erholsamen und erfrischenden Urlauben wusste man endlich mal wieder, was man am Wochenende machen soll: Floorball spielen! Der Pünktlichkeit frönend wie die Deutsche Bahn an einem stark verschneiten Wintertag im tiefen Bayern wurde uns seitens der Spielkommission gerade rechtzeitig ein vorläufiger Spielplan zur Verfügung gestellt, um wenigstens noch kurzfristig Pläne wie den Geburtstag der Großmutter oder eine verspätete Sommereise gen Italien zu verschieben. Nichtsdestotrotz konnten wir uns immerhin moralisch auf die ersten beiden Gegner vorbereiten. Am ersten Spieltag durften wir uns gleich mal mit den Vorjahresmeistern messen. Trotz intensiver Bemühungen auf dem Transfermarkt war der Kader am ersten Spieltag ausgedünnt wie ein Kick T-Shirt nach zu vielen Waschgängen. Neben unserem Stammkeeper Tamas fanden sich gerade mal zehn Feldspieler in Berlin Siemensstadt ein, um dem klaren Favoriten entgegenzutreten. Nur eine mäßig gute Voraussetzung um die Laikas zu ärgern und etwas an den Nerven zu kitzeln. Trotzdem fanden Steffi und Sven die richtigen Worte, um uns motiviert ins Feld zu schicken. Mit Neuzugang René, der sich endlich überreden ließ, seine Schussgewalt auch außerhalb des Trainings unter Beweis zu stellen, vice capitano Matti und einem mit schicker neuer Montur ausgestattetem Tamas konnte es also losgehen.
Erstes Drittel (1:7)
Anstatt unser Spiel verhalten zu beginnen, zündelten wir schon früh an unserem Offensivvorrat. Unbeeindruckt von der Qualität und körperlichen Präsenz der Laikas gewannen wir anfangs viele Zweikämpfe und kamen zu guten Abschlüssen, auch wenn wir das erste Powerplay mal wieder nicht ummünzen konnten. Auch defensiv war die Leistung in den ersten Minuten ansprechend. So hielten wir immerhin die ersten sieben Minuten die 0 bis Tamas das erste Mal hinter sich greifen musste. Matti zitieren „… irgendwer muss ja das erste Tor machen.“, hielten wir zwar weiter gut dagegen, ließen uns aber hinten immer weiter reindrücken. Gute Passstafetten anstelle von schnellen Läufen überforderten uns im Stellungsspiel zusehends. Die Folge waren zwei weitere Gegentore. Dass aber auch die Laikas nur mit Wasser kochen und anfällig für Konter sind, zeigte sich dann nach fünfzehn Minuten. Ein guter Aufbau aus der Abwehr heraus über Nic und Sven landete bei Jojo. Eiskalt und mit ordentlich Wucht und Präzision versaute er dem gegnerischen Keeper den bestimmt anvisierten Shout Out und brachte uns ergebnistechnisch wieder ran. Davon scheinbar selbst überrascht fanden wir nach dem Anschlusstreffer leider gar nicht mehr in unser Spiel. Innerhalb der letzten 5 Minuten im ersten Drittel schenkten uns die Gastgeber noch vier weitere Tore ein. Mit einem nicht ganz der Leistung entsprechenden 1:7 ging es in die Pause.
Zweites Drittel (1:3)
Das primäre, wenn auch niedrig gesteckte Ziel ein Tor zu erzielen war erreicht, die Aufbau und Stellungsfehler aber nicht un-erwähnenswert zu lassen. Auch im zweiten Drittel hielten wir mit guten Pressing und verbessertem Defensivverhalten ein paar Minuten Tamas´ Kasten sauber. Auch wenn die Laikas nun mit deutlich gedrosseltem Tempo agierten, hatten sie uns beim Thema Kaltschnäuzigkeit doch einiges voraus. Gute, schnelle Pässe fanden immer wieder starke Abnehmer, die den Ball noch zwei weitere Male in unser Tor beförderten. Es dauerte einige Zeit, bis auch wir mal wieder gefährlich worden. Nachdem Frank einen gelupften Pass von Sven noch in Richtung Berlin Köpenick beförderte, machte es Matti in gewohnter Manier besser. Nach einem Fehler in der Hintermannschaft der Laikas nutzte er den freien Raum und schoss den Ball mit ordentlich Spin in Tor. Nach einem weiteren Gegentor gestalteten wir das Spiel durchaus offen. Tom tankte sich des Öfteren durch die feindlichen Linien, scheitere aber am Keeper oder dem Aluminium. Mit einem deutliche 2:10 ging es wieder in die Kabine. Dennoch eine deutliche Steigerung zum ersten Drittel.
Drittes Drittel (1:6)
Auf das zweite Drittel konnte man durchaus stolz sein. Wieder ein Tor und gute Defensivarbeit machten Bock auf die letzten zwanzig Minuten. Leider ging dies in den ersten Minuten so richtig in die Hose. Gerade mal dreimal hatte der Zeiger sich gedreht, da hatten wir schon drei weitere Gegentore auf der Anzeige. Zeit, taktisch etwas umzustellen. Aus der Erfahrung heraus agieren wir ja ganz gut in Unterzahl. Dieser Tatsache geschuldet aber auch um den Schiris auf den neusten Stand der Regelkunde zu bringen, zeigte Frank etwas überharte körperliche Präsenz an der Bande und stoppte den angreifenden Gegner abrupt. Wo es letzte Saison noch fünf Minuten gegeben hätte, hieß es nun 2+2. Kurz sichtlich überfordert, was man jetzt wie anzeigt und in den Spielberichtsbogen schreibt, wurde die Lösung schnell gefunden. Gern geschehen! Auf dem zugegeben perspektivisch optimierten Sitzplatz mit Blick auf das Geschehen, konnte im Sinne des Spielberichts gut beobachtet werden, wie Matti mal wieder einen seiner Sololäufe startete und sehenswert erneut verkürzte. Wie immer lief es in Unterzahl mal wieder besser. Gern geschehen! Durch ein weiteres Gegentor wurde der Strafbankaufenthalt weiter verkürzt, sodass wir schnell wieder vollzählig waren und uns bis zum Ende des Spiels nur noch zwei Gegentore fingen. Mit einem deutlichen 3:16 war der erste Spieltag damit geschafft.
Auch wenn es hinten heraus recht deutlich wurde, sollte das Ergebnis kein Grund für schlechte Stimmung sein. Gleich am Anfang gegen die Top Teams (als Nächstes warten die Young Rockets) zu spielen hat auch viele Vorteile. Learning bei Doing sozusagen. Die Fehler heißt es auszumerzen und gestärkt an die nächsten Aufgaben zu gehen. Das Wichtigste ist aber, erstmal die Kaderbreite zu erhöhen, um nicht ähnlich geringe Erfolgsaussichten auf drei Punkte zu haben wie ein Vegetarier mit Photosynthese Intoleranz auf Nahrungssuche.
