Wir schreiben das Jahr 480 v. Chr. An einem vermutlich warmen Tag im Spätsommer standen sich in Mittelgriechenland in der Schlacht bei den Thermopylen im Zuge des Perserkrieges die ungleichgroßen Heere der Griechen und Perser entgegen. Die damals geologisch günstigen Gegebenheiten nutzend, lieferte vor allem der kleine Anteil der Spartaner unter der Führung von Befehlshaber Leonidas I. einen erbitterten Widerstand gegen die Heere von Xerxes I. Heute, 2502 Jahre später, 2152 km nördlicher und mit Schlägern anstelle von Schwertern bewaffnet, schien sich das Schauspiel zu wiederholen. In der kleinen Halle der Borsigwalder Grundschule war immerhin der Engpass halbwegs realistisch nachgebaut. Gebeutelt von Verletzungen, Zeitnot und anderer terminlicher Diskrepanzen stand bis kurz vor Spielbeginn der Bully infrage. Von dem auf dem Lizenzpapier ansehnlichen Kader fand sich nur ein kleiner Teil auf dem Spielberichtsbogen wieder. Neben unserem Toptorhüter Tamas, der diesmal nicht nur das Tor hütete, sondern sich auch die enge Kapitänsbinde über den Arm streifen durfte, hätte sich nur eine Reihe dazugesellt, wäre da nicht die Opferbereitschaft von Steffi und Nic gewesen, die einen langen Weg auf sich nahmen, um die kleine Truppe technisch und moralisch zu unterstützen. Mit einem Durchschnittsnachtschlaf von 3,5 Stunden waren wir bereit, der Übermacht der Siemensstädter entgegenzutreten. Glücklicherweise spielte uns die vereinsinterne SCS-Veranstaltung am Abend vorher etwas in die Karten, sodass auch aufseiten der Gastgeber nicht die geballte Masse an Spielern auflief. Trotzdessen fanden deren stärkste Spieler den Weg in die Halle, auch wenn der Schlafwert noch ersichtlich geringer zu sein schien.
Erstes Drittel (3:2)
„Nichts ist entspannter, als das anzunehmen, was kommt.“. Was man der kleinen Truppe ganz und gar nicht vorwerfen konnte, war Moral und Kampfeswillen. Angepeitscht vom mitgereisten Winnie Puuh Maskottchen der U11 war klar, dass wir es SCS nicht leichtmachen würden. So pressten wir, was das Zeug hielt und warfen alles gegen die Brandung. Davon sichtlich beeindruckt brachten die Berliner erst mal nichts zustande. Ein paar zaghafte Annäherungen an unser Tor wurden von der Abwehr oder Tamas vereitelt. Aber nicht nur die aufopferungsvolle Defensivleistung brachte unsere Stimmung auf Hochtouren. Entgegen allen Erwartungen gingen wir sogar in Führung. Ein toller Konter nach Ballbeginn landete über Sophia bei Seb, der den Ball zum 1:0 im Tor versenkte. Wir hielten weiter stark dagegen, auch wenn die spielerische Klasse der Siemensstädter nach und nach an Fahrt aufnahm. Der Ausgleich war sehr schön herausgespielt, demotivierte uns aber ganz und gar nicht. Auch wenn die Berliner das Spiel im Anschluss drehten und auf 3:1 erhöhten, piesackten wir, was das Zeug hielt. Immer wieder zwangen wir die Gastgeber zu Ballverlusten und konterten munter drauf los. Auf der anderen Seite hielt Tamas alles, was auf sein Tor kam und nahm dafür den ein oder anderen Schlag auf die Finger auf sich. Belohnt wurden wir dann knapp vor Drittelende. Quasi als Wiederholung zum 1:0 sprintete Sophia durch die Abwehr und bediente Seb mustergültig zum 2:3. Mit diesem Drittelstand hätten selbst Spartas Orakel-hütende Ephoren nicht gerechnet.
Zweites Drittel (5:0)
Unsere Laune war hervorragend. Die Kommunikation auf dem Platz besser als in den bisherigen Spielen und das Stellungsspiel trotz wilder Wechsel in den meisten Fällen top. So sollte es auch in den kommenden Dritteln weitergehen. Die Berliner hatten uns im ersten Drittel definitiv unterschätzt. Sich dessen bewusst oder vielleicht jetzt erst aus dem Wachkoma erwachend, agierten sie deutlich offensiver. Mit schnellen Pässen und einem optischen Überzahlspiel kamen sie zu vielen Abschlüssen. Auch wenn die meisten davon entschärft werden konnten, sollte es doch insgesamt fünfmal klingeln. Zugegeben, die Tore waren teilweise schön herausgespielt und eiskalt im Eck versenkt, was keinen Vorwurf an der Spielleistung der Potsdamer zulässt. Um Tamas zu zitieren: „Wir stehen immer noch mit einer besseren Differenz und hundert Euro mehr da als wenn die das Spiel abgesagt hätten“.
Drittes Drittel (5:3)
Auch wenn uns das erste Mal in dieser Saison kein Tor in einem Drittel gelang, spielten wir weiter Floorball vom Feinsten. Es dauerte keine Minute im dritten Drittel, da war mal wieder Seb zur Stelle. Diesmal brauchte er keinen Assist, sondern schoss im Alleingang frenetisch seinen Hattrick. Nach einem weiteren Gegentor strapazierten wir die Nerven der Gastgeber dann endgültig. Neuzugang Tobi legte für Steffi auf, die das Ergebnis auf 9:4 verkürzte. Sichtlich genervt von der eigenen Spielleistung rannten die Berliner mit dem Kopf durch die Wand. Zwar gelangen so noch ein paar Tore, das wohl eingangs erwartete Schützenfest blieb aber aus. Einzig ein paar Minuten des kollektiven Pennens auf unserer Seite, aus denen innerhalb weniger Minuten drei Gegentore resultierten, könnte man sich auf die Fahne schreiben. Angesichts der Leistung wäre dies aber Jammern auf hohem Niveau. Stattdessen hatten wir in diesem Spiel nicht nur das erste, sondern auch das letzte Wort. Wieder war es Tobi, der vor dem Tor uneigennützig ablegte und Seb zu seinem vierten Tor an diesem Nachmittag verhalf und ihn damit vereinsintern an die Spitze der Scorerliste setzte.
Damit endete das denkwürdige Spiel zwar recht eindeutig mit 13:5. Wie schon die tapferen Spartaner sind wir am Ende doch geschlagen wurden, sahen dabei aber definitiv besser aus. Wir konnten zeigen, dass auch eine Übermacht verwundbar ist, was die Niederlage in einen Teilerfolg verwandelt. Ungeachtet des Ergebnisses war es die beste Leistung in dieser Saison. Doch auch wenn es sichtlich Spaß gemacht hat, Wiederholungsbedarf ist nicht wünschenswert. Schließlich hätte es auch bei der Verfilmung „300“ keiner Fortsetzung bedurft.
Auto: Frank Rosendahl
Grafiken: Frank Rosendahl
