Pokal: SC Potsdam – ETV Piranhas Hamburg II 1:13 (1:4; 0:3; 0:6)

Endlich ist es soweit. Der quälend lange Sommer, der sich seiner Bedeutung als sonnenreiche und warme Jahreszeit nicht immer bewusst war und die damit einhergehende Verbannung aus den hiesigen Sporthallen hat ein Ende. Auch wenn noch vor einer Woche Outdoor auf dem Platz gegen den Sonnenbrand gekämpft wurde, hieß es heute wieder volle Konzentration auf ein Pflichtspiel. Was kommt da gelegener als ein Pokalspiel. Glücklicherweise für den SC Potsdam umgingen wir das langweilige Freilos und bekamen mit dem ETV Piranhas Hamburg II einen frisch gebackenen Zweitligisten zugelost. Glück auch für die Berichterstattung, dass es nicht ein Team wie der UHC Döbeln oder TV Dinklage wurde. Wie hätte der Bericht nur ohne das Portfolio an Raubfisch-Anekdoten ausgesehen. Ein Pokalspiel auf diesem Niveau war das, worauf alle hingefiebert haben. Nichts gegen die Uphusen Vikings aus dem letzten Jahr, aber mit der zweiten Mannschaft des ETV kam nochmal ein anderes Kaliber nach Potsdam. Voller Vorfreude fanden sich dann allerdings nur 10 Spieler des SCP vor heimischer Kulisse wieder. Neben den alten Hasen um Kapitän Micha, „Mister Backhand“ Matti und Nic als Abräumer in der Abwehr freuten wir uns einen alten Bekannten wieder zwischen den Pfosten knien zu sehen. Tamas ist aus seinem Sabbatjahr beim FBC zurückgekehrt und wollte zeigen, was er noch kann. Neben dieser Rückholaktion konnte das Sommertransferfenster auch für mehrere Neuzugänge genutzt werden, wobei drei gleich in den Startformationen standen. Der SCP begrüßt Arvid, Steffen und Charan in der allzeit munteren Floorballgemeinde des SC Potsdam. Da die Anzahl an Spielern die persönliche Nennung noch hergibt, ohne die Berichtskapazitäten zu sprengen, starteten namentlich genannt und frenetisch gefeiert auch René, Seb und Sven voller Elan in das Spiel. Neben den heiß laufenden Spielern platzte die Halle durch die auf dem Spielberichtsbogen verzeichneten 40 Zuschauern quasi aus allen Nähten.

Erstes Drittel (1:4)

Bekennende Captain Iglo Fans dürfte es nicht verwundern, dass ausgerechnet die vorrangig tropisch angesiedelten Schwarmfische nachweislich auch in Personifikation eines Floorballteams aus dem verregneten Norden als 15er Rudel antraten. Das ist an sich evolutionär sehr sinnvoll, sind doch bei Einzeltieren schnell Stress und Panikreaktionen nachweisbar. Von Panik war allerdings weder bei den Gästen noch bei uns etwas zu spüren. Das noch völlig uneingespielte Team des SCP versuchte sich in den ersten Sekunden des Spiels erstmal zu finden. Das funktionierte mäßig gut. Schon nach 20 Sekunden klingelte es das erste Mal in unserem Kasten. Der kurze Schock saß jedoch nicht sehr tief. Auch wenn die Feldhoheit bei den Gästen lag, setzten wir immer mal wieder Nadelstiche. Einer dieser Stiche saß nach knapp 3 Minuten besonders tief. Matti tänzelte elegant durch die gegnerischen Reihen und erzielte den zu diesem Zeitpunkt wohlverdienten Ausgleich. War da schon eine leichte Panikreaktion im Rudel zu erkennen? Die Gäste spürten, dass wir hier nicht als Sparrings Partner angetreten sind, sondern die Sache ernst nahmen. Aus diesem Grund wurde das Tempo sukzessive hochgefahren und unsere Abwehr hatte alle Hände voll zu tun. Durch sehr schöne Spielzüge erzielten die Piranhas schnell zwei Tore und wurden der Wettquote zunehmend gerecht. Das Spiel wurde sichtbar körperbetonter, sodass Nic durch Sperren eine kurze Auszeit nehmen durfte. Das Gegentor in Unterzahl war dann auch das letzte Erwähnenswerte im ersten Drittel.

Zweites Drittel (0:3)

In den Gesichtern der Spieler war der Elan und die Spielfreude eingemeißelt. Alle hatten Spaß an diesem hochklassigen Floorballspiel, auch wenn die quantitative Unterlegenheit sich langsam bemerkbar machte. Eventuell lag es auch an der Differenz des Altersdurchschnitts, welche mindestens mit der Lebenserwartung frei lebender Piranhas von 15 Jahren deckungsgleich zu sein schien. Nichtsdestotrotz war die Chance auf die nächste Runde noch nicht gänzlich utopisch. Hinein in das zweite Drittel, in dem anfangs erstaunlich wenig passierte. Wir verteidigten vehement und Tamas zeigte, dass er noch immer der Beflockung seines Trikots gerecht wird. Auch wenn wir vorne noch etwas glücklos agierten und die wenigen Chancen, die uns die Gäste zustanden, nicht nutzen konnten, war es ein hervorragendes Spiel. Jeder warf sich in die Bälle und verteidigte so gut er konnte. Neben nur drei Gegentoren trotz Dauerfeuer auf das Potsdamer Tor zeichnete sich Tamas im zweiten Drittel auch dadurch aus, dass er mit seiner reinen körperlichen Präsenz den gegnerischen Stürmer nach Penaltyentscheidung gegen uns dermaßen verunsicherte, dass dieser den Ball an den Pfosten setzte. Zu aller Freude durften wir die letzten Minuten auch noch Powerplay üben, nachdem der stärkste Schütze der Gäste sich nach überhartem Körpereinsatz mit 2+2 Minuten auf die Strafbank setzen musste.

Drittes Drittel (0:6)

Zugegeben, ein 1:7 nach zwei Dritteln ließ dazu tendieren, den eigenen Kalender wieder vom geblockten Final4 zu befreien, aber alle waren stolz auf ihre Leistung und wollten im letzten Drittel nochmal alles geben. Viel gibt es von diesem nicht zu berichten. Zahlreiche Abdrücke von Bällen auf sämtlichen Körperteilen zeugten von dem unbändigen Willen, sich nicht kampflos zu ergeben. Schlussendlich wollten wir nicht wie in einigen indigenen Ethnien typisch als Aasfutter ins Piranhabecken gehalten werden. Und das taten wir auch nicht. Auch wenn es noch sechs Gegentore gab und uns vorne der erneute Erfolg verwehrt blieb, kann viel aus dem ersten Pflichtspiel mitgenommen werden. Mit einem 13:1 verdienen sich die Piranhas den Einzug in die nächste Runde.

Fazit

Schlussendlich kann man es als Wink des Schicksals bezeichnen, die nächste Runde nicht erreicht zu haben. Nach der Auslosung hätte der Gegner mal wieder Hannover geheißen. Muss ja nicht sein. Also gönnen wir den Hamburgern mal das kleine Nordderby. Wir bedanken uns bei den Piranhas für das durchweg faire Spiel und danken den souveränen Schiedsrichtern für eine super Spielleitung. Ein Dank an die Fans für die Unterstützung in und vor der Halle.

Für den SCP heißt es durchatmen und Wunden lecken, bevor es eine Woche später zum ersten Ligaspiel nach Berlin geht. Auch auf das Spiel gegen Siemensstadt brennt jeder einzelne.

Es gilt, nur wer brennt kann andere anfeuern!

Text und Grafik: Frank R.

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