Gespannte Stille liegt über der Schwimmhalle am Luftschiffhafen. Kinder und Jugendliche stehen auf den Startblöcken, die Körper angespannt, die Blicke fest auf das Wasser gerichtet. Ein letztes Nicken der Trainer, ein tiefes Durchatmen. „Auf die Plätze!“ – das Startsignal ertönt, die Stoppuhren klicken, das Becken füllt sich mit vollem Einsatz.
Am 11. Januar fand das 3. Seehundrennen des SC Potsdam statt, ein Wettkampf, der für den Breitensport in Brandenburg und Berlin eine besondere Bedeutung hat.
Breitensport, der motiviert
Für viele Vereine ist das Rennen die einzige Gelegenheit, Schwimmerinnen und Schwimmer außerhalb des Trainings zu vergleichen. Gleichzeitig steht der Spaß im Vordergrund. „Hier zählt Leistung, ohne dass Leistungsdruck erdrückt. Hier wird verglichen, ohne auszusortieren“, erklären die Organisatoren, Simone und Jan Rosendahl. Das Rennen macht Fortschritte sichtbar, stärkt Selbstvertrauen und zeigt, wie Training wirkt – für Anfänger genauso wie für erfahrene Jugendliche.
Zahlen belegen den Erfolg
Über 200 Schwimmerinnen und Schwimmer aus sieben Vereinen gingen an den Start, fast 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Erstmals dabei waren die Berliner Wasserratten.
Spannung, Nervosität, Teamgeist
Viele Kinder kannten Wettkämpfe bisher nur im eigenen Verein. Für einige war es die Premiere, für andere bereits das dritte Rennen. Neue Gegner und unbekannte Bahnen sorgten für Nervosität. Doch nach den ersten Läufen wich die Anspannung. Lachen, gegenseitiges Abklatschen, stolze Blicke prägten den Tag. „Alle sind hier unglaublich nett und zuvorkommend. Das fühlt sich sehr familiär an“, beschreibt Daina Fahl aus Falkensee die Atmosphäre.

Wenn Training sichtbar wird
Auch für die Trainer liefert der Wettkampf wertvolle Erkenntnisse. „Die Kinder sind viel konzentrierter, alle sind im Wettkampfmodus. Plötzlich sind die Startsprünge sauberer. Wir sehen genau, was sie unter Druck schon beherrschen und wo wir noch aufholen können“, sagt Melina Schüller, Co-Trainerin des PSV Cottbus 90 e. V.
Livestream mit Herz
Da die Schwimmhalle keine Zuschauer zulässt, wurde erneut ein Livestream eingerichtet, diesmal technisch verbessert und erstmals mit Unterwasserkamera. „Es wurde mehrmals gezielt die Reihe der Teilnehmenden abgegangen, sodass Eltern ihre Kinder wirklich sehen konnten. Da wurde mit Herz mitgedacht“, berichtet Judith Bader, Mutter eines SC-Potsdam-Schwimmers.

Medaillen und Plüsch-Seehunde
Am Ende erhielten die Podestplätze Medaillen. Die Erstplatzierten durften sich zusätzlich über die begehrten Plüsch-Seehunde freuen. „Die Medaille ist irgendwann vergessen“, schmunzelt Jan Rosendahl. „Aber der Seehund bleibt.“
Ehrenamt und Sponsoren
Der reibungslose Ablauf wäre ohne Ehrenamtliche sowie Sponsoren nicht möglich gewesen. „Der Einsatz war in diesem Jahr beeindruckend. Viele Helfer sind seit dem ersten Rennen dabei“, lobt Rosendahl. Wettkämpfe dieser Größe erfordern zudem finanzielle Unterstützung. „Nur mit dem Meldegeld wäre diese Veranstaltung von dieser Größe nicht umsetzbar“, betont er. Sponsor Matthias Paul ergänzt: „Kinderförderung ist enorm wichtig. Sport gibt Struktur, Motivation und Gemeinschaft. Wenn man sieht, wie viel Herz in diesem Wettkampf steckt, weiß man, warum sich Unterstützung lohnt. Allein das Lachen aller Beteiligten macht glücklich.“

Blick nach vorn
Das 4. Potsdamer Seehundrennen soll wie gewohnt am zweiten Sonntag im neuen Jahr stattfinden – vorausgesetzt, Halle, Helfer und Engagement stehen erneut bereit. Nach diesem Tag ist eines klar: Die Vorfreude ist bereits da.
Beitrag von Carolin Hipp mit Fotos von Petko Beier / petkobeier.de