Spektakulär in das Halbfinale gespielt

Es ist geschafft, der SC Potsdam gewinnt auch das zweite Playoffspiel auswärts gegen die Roten Raben Vilsbiburg mit 3:2 (21:25, 30:32, 25:19, 25:22, 17:15) und erkämpfte sich in das Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft der 2018/2019, was der bisher größte Erfolg seit der Zugehörigkeit zum Oberhaus des Volleyballs ist. Dabei kippte die Mannschaft einen 0:2 Rückstand in einen Sieg, was bei diesem Zwischenstand die allerwenigsten erwartet hatten.

Doch Potsdam hat dazu gelernt und aus etlichen Niederlagen gelernt und das war an diesem Abend beeindruckend.

Am Ende dieses, an Dramatik kaum zu überbietenden Fights, knieten der Cheftrainer Guillermo Hernandez sowie Teammanager Eugen Benzel nieder, um sich symbolisch beim Hallenbelag für etwas Besonderes zu bedanken. Es war unumstritten eine Energieleistung des gesamten Teams in der Ballsporthalle von Vilsbiburg.

Unmittelbar vor der Abreise äußerte Topscorerin Marta Drpa, die auch diesmal mit 25 Zählern ihr Punktekonto weiter aufbesserte, „wir wollen das zweite Duell gewinnen und alles klar machen. Mit dieser Zielsetzung fahren wir dort hin. Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen, die Mannschaft ist motiviert“.

Sie sollte Recht behalten, aber das war ein Fight mit einem besonderen Szenarium, was diese Mannschaft bei den durchaus favorisierten Gastgebern geboten wurde. Zu Beginn des Spiels agierten die Roten Raben sehr souverän und machten klar, hier sind wir die Hausherren und wollen den Showdown mit dem dritten Playoffvergleich in der MBS Arena am Sonnabend. Doch dieser viel aus.

Das Guillermo-Team fand nicht zur gewollten und erwarteten Sicherheit in den eigenen Reihen. Vilsbiburg hatte den Satz in der Hand. Lediglich beim 8:8 bzw. 17:17 gab es einen Ausgleich. Etliche leichte Fehler und mehrere Aufschläge wurden vergeben. Das 21:25 war die Folge! Der Druck des unbedingten gewinnen müssens, konnte nicht ganz abgelegt werden.

Der folgende Spielabschnitt war sicherlich der Spektakulärste. Er gestaltete sich relativ ausgeglichen, was besonders auf die Endgestaltung zutraf. Hier bekamen die 1020 Zuschauer so richtigen Volleyballsport geboten. Zwar lag der Sportclub zwischenzeitlich 4:7 im Rückstand, agierte jetzt auf Augenhöhe beim Favoriten, aber ab dem 17:17 gestaltete sich ein Geschehen in der Halle, was kein Schluss finden wollte, denn es ging so bis zum 30:30 weiter, das ganze insgesamt 38 Minuten, ehe das 30:32 folgte. Jetzt stand es 0:2, kündigte sich das dritte Spiel an?

Das wollte Potsdam unbedingt vermeiden, obwohl das Team Heimrecht hätte. Und das war spätestens von diesem Zeitpunkt an unübersehbar. Die Sicherheit in den eigenen Reihen war da, man hatte sich auf den Gegner eingestellt und konnte dem Geschehen die eigene Note geben. Nach den bisherigen Sätzen folgte ein relativ deutliches 25:19 und das 1:2.

Motiviert ging es weiter. Aber die Gastgeberinnen suchten die Entscheidung. Schnell stand es 4:9 bzw. 10:15! In dieser Phase konnte der SC nicht an die voraus gezeigte Leistung anknüpfen. Aber das änderte sich und man ging konzentriert zu Werke und beim Stand von 16:15 erstmals in Führung. Vilsbiburg stemmte sich mit großer Leidenschaft gegen einen möglichen Satzverlust und ausgeglichen gestaltete sich das Geschehen bis zum 21:21. Das Ende hatte Potsdam dann in der Hand und glich nach dem 25:22 zum 2:2 aus.

Das alles, was beide Mannschaften zeigten, glich einem echten Showdown. Das Volleyballherz kam voll auf seine Kosten, strapazierte aber nachhaltig die Nerven auf beiden Seiten. Es ging in den entscheidenden fünften Satz. Da ging es bei wechselnden Führungen hin und her. Keiner konnte sich absetzen. Äußerst prekär wurde es beim 12:14. Ein Punkt fehlte den Roten Raben für das dritte Spiel – ihre Zielsetzung.

In dieser Phase zeigte der SC Potsdam, dass es ein geschlossenes und gereiftes Team ist, was gelernt hat, sich nie aufzugeben und was bei einer solchen Höchstbelastung zulegen kann, es drückte diesem Krimi den eigenen Stempel auf und zieht verdient nach dem 17:15 und 3:2 Sieg in das Halbfinale ein. Danach flossen auf beiden Seiten Tränen, Tränen der Freude und Enttäuschung – so ist der Sport.

Klar ist auch, die lange Rückfahrt nach Potsdam wird nicht trocken sein. „Im Bus brennt es“, so der Teammanager, den Sekt zum ‚LÖSCHEN‘ haben sie sich redlich verdient.

Wer der Gegner im Halbfinale sein wird, entscheidet sich im Spiel am Samstag zwischen Dresden und Aachen. Gewinnt Aachen, dann spielt der SCP gegen seinen Nachbarn, SSC Palmberg Schwerin. Schafft es der Dresdner SC ins Halbfinale, so muss Potsdam schon am kommenden Mittwoch, den 10.04.19 in Stuttgart ran. Wir sind gespannt…