Trainingsauftakt beim SC Potsdam

Potsdam. Am späten Sonntagabend ist Guillermo Naranjo Hernandez in Potsdam angekommen. Der spanische Trainer des Volleyball-Bundesligisten SC Potsdam hatte am Sonntag noch ein Spiel als Trainer der griechischen Frauen-Nationalmannschaft absolviert. Am Montag bat der 43-Jährige zum Vorbereitungsstart beim SCP und sprach in Englisch über die neue Saison und seine persönlichen Herausforderungen.

Von Interview: Ronny Müller

Haben Sie sich in der Sommerpause gut erholt?

Guillermo Naranjo Hernandez: Ja, nach der Saison hatte ich zwei Wochen frei und war in der Heimat bei meiner Familie. Dann hatte ich ein Turnier mit Griechenland und anschließend noch einmal eine Pause. Im Juli haben wir dann schon mit Griechenland mit der Vorbereitung auf die Europameisterschaft begonnen.

Sie sind mit neun Spielerinnen ins Training eingestiegen. Wo sind die anderen drei?

Ana Escamilla ist bei der spanischen Nationalmannschaft und bereitet sich auf die EM vor. Lisa Gründing hat mit Deutschland die Olympia-Qualifikation gespielt und wird ebenfalls die EM spielen. Brittany Abercrombie hatte noch persönliche Dinge zu klären, kommt aber am Freitag nach Potsdam.

Sie sind seit Dezember in Potsdam. Es ist Ihre erste komplette Vorbereitung mit dem SC. Wollen Sie jetzt neue Dinge umsetzen?

Erstmal ist wichtig, dass wir viele Spielerinnen gehalten haben. Damit haben wir eine gute Basis. Ich kenne die meisten und sie kennen mich. Am Anfang habe ich viel geändert, das Athletiktraining, das System, die Geschwindigkeit, die Trainingsabläufe. Der Club ist sehr bemüht, mir meine Wünsche zu ermöglichen.

Sie haben sieben neue Spielerinnen, wird sich das System nun ändern?

Nein. Am Ende der Saison war mein System mehr und mehr zu sehen. Ich will sehr schnell spielen lassen. Egal, wer auf dem Platz steht, das System ist immer das gleiche.

Marta Drpa hat Potsdam verlassen. Sie war die Topscorerin der Bundesliga. Wie sehr schmerzt der Verlust?

Natürlich ist sie ein Verlust. Die Zahlen sprechen für sie. Aber sie braucht ein bestimmtes System. Und wir wollen noch schneller spielen. Brittany Abercrombie passt gut zu diesem System.

Sie waren in der vergangenen Saison Dritter. Wo sehen Sie Potsdam in der kommenden Saison?

Wir wollen wieder ins Halbfinale. Wir sind optimistisch, aber wir müssen auch realistisch sein. Stuttgart ist stärker als im Vorjahr. Dresden ist viel stärker. Aachen könnte stärker sein. Die Bundesliga war schon sehr eng. Jetzt wird es noch enger. Es wird keine große Lücke zwischen den Teams geben.

Hat Potsdam durch den Verlust von Marta Drpa einen Rückschritt gemacht?

Nein. Ich denke, insgesamt als Mannschaft sind wir stärker als im letzten Jahr. Aber es liegt nicht nur an uns, auch an den Gegnern. Die Erwartungen sind sehr hoch. Aber wir müssen uns alles hart erkämpfen und müssen zuhause stark sein. Die Fans müssen sehen, dass die Mannschaft Kampfgeist hat.

Die Saison beginnt am 5. Oktober in Dresden. Ein guter Auftakt?

Das ist wirklich nicht einfach. Dresden ist sehr stark und wir spielen auswärts. Wir werden dann erst wirklich sehen, welches Potenzial die Mannschaft hat. Aber alles kann passieren, wir haben ein gutes Team.

Im CEV-Cup treffen Sie auf den mehrfachen russischen Meister Kasan. Wie sehen Sie das Kräfteverhältnis?

Schade, dass wir so einen Gegner gleich in der ersten Runde haben. Je mehr Spiele du auf dem Niveau machst, um so stärker wirst du. Diese Spiele werden uns helfen, die Mannschaft weiterzuentwickeln. Aber Kasan ist wirklich stark. Eine Spielerin verdient so viel wie bei uns die ganze Mannschaft. Wir sind natürlich die Underdogs.

Sind Sie schon richtig in Potsdam angekommen?

Ja, ich habe schon lange eine Wohnung. Ich gehe gerne am Wasser spazieren oder in der Stadt einen Kaffe trinken. Aber so viel Zeit habe ich noch nicht gehabt, mir etwas anzuschauen.

Sie sind parallel Nationaltrainer in Griechenland und spielen die EM ab dem 23. August. Wie laufen die kommenden Wochen ab?

Am Freitag treffe ich die Mannschaft in Ungarn bei einem Turnier. Danach bin ich dann wieder in Potsdam. Und dann geht es in die direkte Vorbereitung auf die EM.

Welche Chancen hat Griechenland bei der EM?

Griechenland ist erstmals seit 19 Jahren wieder bei einer EM, darüber sind wir sehr glücklich. Wir haben eine starke Sechsergruppe, die ersten vier gehen ins Achtelfinale. Wir kämpfen um Platz vier. Wenn wir ins Achtelfinale kommen, bin ich zwei weitere Tage unterwegs und komme dann nach Potsdam.

Sind Sie in der Bundesligasaison auch in Griechenland gefordert?

Ja, aber ich werde kein Bundesligaspiel verpassen.

Sie reden mit der Mannschaft Englisch. Wie steht es um Ihr Deutsch?

Die Mädels können alle sehr gut Englisch. Ich verstehe auf Deutsch fast alles. Aber mit dem Sprechen tue ich mich ein bisschen schwer, da bin ich ein bisschen schüchtern.

Maz/ SC Potsdam