Christopher Linke wiederholt Vorjahressieg in Podebrady

Christopher Linke hat am Samstag beim Geher-Meeting in Podebrady für das deutsche Highlight und einen von insgesamt vier deutschen Siegen gesorgt. Bei schwierigen Bedingungen wählte er eine Taktik, die sich am Rennende auszahlte. Für Hagen Pohle gab es dagegen kein Happy End.

leichtathletik.de – „Wir fahren ohne Vorgabe nach Podebrady“, hatte Bundestrainer Ronald Weigel im Vorfeld des Geher-Meetings in Tschechien gesagt – direkt im Anschluss an ein Höhentrainingslager in Mexiko stand ein Fragezeichen über der Form der Athleten. Bei Christopher Linke (SC Potsdam) kann dieses nun getrost gestrichen werden: Mit dem zweiten Sieg in Podebrady in Folge sowie einer Zeit von 1:21:55 Stunden gab er eine gute erste Visitenkarte im Hinblick auf die Heim-EM in Berlin (7. bis 12. August) ab, für die er als WM-Fünfter bereits gesetzt war.

Christopher Linke hielt sich auf seiner „Lieblingsstrecke“, auf der er 2017 in 1:18:59 Stunden seine Bestmarke aufgestellt hatte, lange im Windschatten der beiden Mexikaner Horacio Nava (1:22:13 h) und Ricardo Ortiz (1:22:28 min) auf. Zwei Kilometer vor Schluss setzte er dann die entscheidende Tempoverschärfung, der niemand folgen konnte. „Die Bedingungen waren hart, es war ein bisschen zu windig und ein bisschen zu heiß für schnellere Zeiten“, erklärte er anschließend am Mikrofon des tschechischen Renn-Kommentators. So habe er während des Wettbewerbs seine Taktik angepasst und erst am Ende sein eigenes Tempo angeschlagen – dieser Plan ging auf.

Hagen Pohle hadert mit Missgeschick

Während Christopher Linke freudestrahlend und jubelnd die Ziellinie überquerte, quittierte sein Vereinskollege Hagen Pohle seinen Zieleinlauf mit einem Kopfschütteln: Lange hatte er als Solist hinter der Spitzengruppe Platz vier gehalten, dann wurde er noch auf Platz fünf verwiesen. Seine Zeit: 1:23:20 Stunden – für den Leistungsnachweis (1:23:00 h) nach im Vorjahr deutlich erfüllter EM-Norm (1:22:30 h) reichte das knapp nicht.

„Nach der zweiten Runde ist mein Schuh aufgegangen. So war jeglicher Kontakt verloren. 18 einsame Runden gegen den Wind kosteten dann doch zu viel Kraft“, musste er anschließend auf Facebook konstatieren. Allerdings sei er optimistisch, dass der Leistungsnachweis schnell fällt. Die nächste Gelegenheit bietet sich schon am kommenden Wochenende bei der DM der Geher in Naumburg.

Bestzeit für Saskia Feige

An der Spitze des Frauen-Feldes schlug die Italienerin Eleonora Giorgi ein rasantes Tempo an, dem bald niemand mehr folgen konnte. Die EM-Fünfte von 2014 erzielte in 1:28:49 Stunden einen neuen Meetingrekord und distanzierte die Konkurrenz um die Zweit- und Drittplatzierte Brigita Virbalyté-Dimsiene (Litauen; 1:1:31:05 h) und Valentina Trapletti (Italien; 1:31:36 h) deutlich. Im Vorjahr waren weltweit nur acht Athletinnen schneller.

Eine bemerkenswerte Leistung gelang auf Platz zehn der jungen Potsdamerin Saskia Feige: Die 20-Jährige schraubte ihre Bestmarke um fast zwei Minuten auf 1:35:25 Stunden nach oben. Rang elf ging dahinter an die noch ein Jahr jüngere Vize-Europameisterin der U20: Teresa Zurek benötigte für die Strecke 1:35:58 Stunden, es fehlten nicht viele Sekunden zu ihrer vier Wochen alten Bestmarke aus dem Wettbewerb in Lugano (Schweiz; 1:35:37 h).

Mathilde Frenzl verblüfft die U18-Konkurrenz

Für die aus deutscher Sicht herausragende Leistung in den Nachwuchsklassen sorgte die erst 15 Jahre junge Mathilde Frenzl (SC Potsdam). Im Wettbewerb der weiblichen U18 über 5 Kilometer ließ sie die komplette teils zwei Jahre ältere Konkurrenz hinter sich und holte sich in starken 24:11 Minuten den Sieg. Damit blieb sie deutlich unter dem 5.000-Meter-Richtwert für die U18-EM-Teilnahme in Györ (Ungarn; 5. bis 8. Juli), der bei 24:30,00 Minuten liegt.

Ihre Vereinskollegin Julia Richter setzte sich über 10 Kilometer der weiblichen U20 zunächst an die Spitze des Feldes. Sie konnte das hohe Tempo aber nicht bis ins Ziel bringen, musste recht bald Siegerin Orla O’Connor (Irland; 49:23 min) und schließlich auch die Kasachin Yekaterina Shlykova (50:15 min) ziehen lassen. In 50:35 Minuten blieb die Potsdamerin doch recht deutlich über der 10.000 Meter-Norm für die U20-WM in Tampere (Finnland; 48:45,00 min) und ihrem ein Jahr alten Hausrekord (48:13 min).

Fotos: race walk picture