Geher Christopher Linke startet in die EM-Saison

Geher Christopher Linke vom SC Potsdam tritt am Samstag beim Grand Prix in Podebrady an. Das Heilbad in Tschechien wurde in den letzten Jahren für den Olympia-Fünften zu einem der Lieblingswettkampforte. Linke erzählt, wie er sich vorbereitet hat.

MAZ – Vom Kurpark auf den Ku’damm. So heißt der Marschbefehl für Sportsoldat Christopher Linke mit Blick auf die Leichtathletik-Europameisterschaften im August in Berlin. Dort wird das 20 Kilometer Gehen mitten in der City am Fuße der Gedächtniskirche ausgetragen und Linke will endlich auf das Podest, eine Medaille bei einer internationalen Meisterschaft gewinnen.

Denn was bei der EM 2014, Olympia 2016 und WM 2017 mit Platz fünf jeweils knapp misslang, soll beim Heimspiel Realität werden. Doch das wird kein Spaziergang. Deshalb hat er in den letzten Monaten bereits eine solide Grundlage gelegt. Der 1,91 Meter große Schlaks vom SC Potsdam weilte mit seiner Trainingsgruppe erstmals für vier Wochen in Mexiko. „Dort haben wir in extremer Höhe trainiert. Das habe ich bisher nicht gekannt. Nun muss man abwarten, wie der Körper darauf reagiert“, erzählt Linke, der erst am Dienstagabend wieder in Berlin gelandet war.

In Mexiko war die Luft extrem dünn

Immerhin empfingen ihn auch daheim fast mittelamerikanische Temperaturen. „Ich habe heute trainiert und fühle mich fantastisch“, sagt er am Mittwoch.

Bundestrainer Ronald Weigel hatte das Camp für seine Geher in Toluca in 2600 Höhe aufgeschlagen, trainiert wurde gar über 3000 Meter und höher. „Da merkt man schon, dass die Luft dünn wird“, berichtet Linke. „Aber man gewöhnt sich daran, ich habe gut trainieren können und fühle mich derzeit mindestens genauso gut in Schuss wie im Vorjahr.“

2017 konnte er nach einem allerdings nicht ganz so weit oben liegenden Höhentrainingslager in Flagstaff/US-Bundesstaat Arizona im tschechischen Podebrady mit 1:18:59 Minuten triumphieren und einen Hausrekord aufstellen. Sechs Wochen später gewann er ebenda den Europacup im 20 Kilometer Gehen in 1:19:28 Stunden. Beim Grand Prix am Samstag im Kurpark in der Stadt an der Elbe, 50 Kilometer östlich von Prag gelegen, will Linke auf dem einen Kilometer langen Rundkurs erneut für eine Topleistung sorgen und fühlt sich dabei nicht nur von der guten Luft wegen der Heilquellen beflügelt.

Linke und Pohle im Duett in Podebrady

„Ich mag den Kurs einfach“, sagt Linke, der 2015 erstmals dort gewann, 2016 Zweiter wurde und 2017 wie beschrieben gleich zwei Siege in Podebrady feiern konnte. Der 29-jährige Oberfeldwebel hofft auch, den Effekt des Höhentrainings umsetzen zu können. Gleiches trifft auf seinen Vereinsgefährten Hagen Pohle zu. Nils Brembach, dritter EM-Kandidat unter den Gehern des SC Potsdam, wird nach einem Infekt noch nicht dabei sein. Bereits eine Woche später folgen in Naumburg die Deutschen Meisterschaften, weitere drei Wochen danach der Weltcup in China.

Linke fühlt sich gewappnet für die harte Wettkampfserie, schränkt aber ein: „Alles ist natürlich auf die Europameisterschaften ausgerichtet.“ Die EM-Norm von 1:22:30 Stunden haben die Männer bereits erfüllt. Mit Saskia Feige und Teresa Zurek werden sich in Podebrady auch zwei Frauen vom SC Potsdam im 20 Kilometer Gehen versuchen. Hier steht die EM-Norm bei 1:33:30 Stunden.

Von Peter Stein